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Schweizer Typenmöbel

Aus Schweizer Sicht kann das Jahr 1927 als Geburtsstunde des modernen Möbels bezeichnet werden. In diesem Jahr wurden anlässlich der Ausstellung "Die Wohnung" in der Stuttgarter Weissenhofsiedlung sechs Musterwohnungen von Schweizer Architekten eingerichtet.

Zur Gestaltung der Innenräume für diese Ausstellung, die international grosse Beachtung fand, bestellte der Schweizer Werkbund SWB unter anderem die Architekten Max Ernst Haefeli, Werner Max Moser, Rudolf Steiger und Willhelm Kienzle. Das von Alfred Roth für die Gebäude Le Corbusiers entworfene Metallbett 454 aus verchromtem Stahlrohr gilt bis heute als einer der Urtypen der Schweizer Moderne. Da Embru über die Herstellungs- und Entwicklungsmöglichkeiten für diese, damals mit modernsten Mitteln hergestellten Möbel verfügte, kam es in den Folgejahren zur Zusammenarbeit mit jedem der oben genannten Architekten und weiteren bedeutenden Gestaltern dieser Zeit.

Einen umfassenden Einblick bietet die Publikation:

"über Möbel - Ein Streifzug durch das Archiv der Embru-Werke, 1928-1943"
Peter Lepel und Oliver Spies, 2007
ISBN 978-3-033-01394-0

Altorfer Stühle

Huldreich Altorfer jr.

1911–1980

Huldreich Altorfer junior kam 1934 als kaufmännischer Angestellter in die Embru. Zu dieser Zeit war sein Vater Direktor der Embru. Einige Jahre nach dem Tod seines Vaters wurde Huldreich Altorfer junior 1942 zum Vicedirektor befördert. Ende 1944 trennte er sich von der Embru und gründete seine eigene Metallmöbelfabrik Altorfer AG in Wald und Oberdürnten. 1971 übernahm Embru diese Firma und damit auch die Rechte der Altorfer Produkte.

Georg Albert Olysse Caruelle

Georg Albert Ulysse Caruelle

In den 30er-Jahren schuf der Pariser Unternehmer Georg Albert Ulysse Caruelle einen Klassiker: den Caruelle-Tisch. Embru erwarb damals direkt das Patent des Franzosen, denn der multifunktionale Allrounder konnte auf über 100 Arten eingesetzt werden: als Beistelltisch, als Unterlage, als Rednerpult, Notenständer oder Spielbrett.

Max Ernst Haefeli

Max Ernst Haefeli

1901–1976

Max Ernst Haefeli war ein Schweizer Architekt und gehörte zu den wichtigsten Vertretern des Neuen Bauens in der Schweiz und gilt heute als einer der aktivsten und zugleich prägendsten Entwerfer moderner Möbel. Der 1901 geborene Zürcher studierte Architektur an der ETH Zürich bei Karl Moser und arbeitete danach für kurze Zeit in Berlin. 1925 gründete er in Zürich sein eigenes Büro und machte mehrere Möbelentwürfe, wie zum Beispiel ein ausziehbarer Esstisch oder ein Bettsofa, das Embru zur Serienreife gebracht und produziert hat. Nach seiner Lehrtätigkeit in der Klasse für Innenausbau an der Zürcher Kunstgewerbeschule gründete Max Ernst Haefeli 1937 in Zusammenhang mit dem Bau des Zürcher Kongresshauses mit Werner Max Moser und Rudolf Steiger das Architekturbüro HMS Haefeli Moser Steiger. In dieser Konstellation ist Haefeli ab 1942  am Bau des Kantonsspitals beteiligt, wo er für die Aussenhaut- und Innenraumgestaltung verantwortlich war. Im Alter von 74 Jahren beendete er ein Jahr vor seinem Tod seine berufliche Tätigkeit.

Gustav Hassenpflug

Gustav Hassenpflug

1907–1977

Gustav Hassenpflug war ein Deutscher Architekt, er stammte aus Düsseldorf und studierte am Dessauer Bauhaus. Er arbeitete partnerschaftlich mit Marcel Breuer in Berlin und später in der UdSSR. 1934, im Alter von 27 Jahren, kam er in die Schweiz und nahm bei Embru für sechs Monate eine Anstellung als Leiter der technischen Stelle an. Für die nachfolgende Zeit bis 1939 war er als Berater immer wieder für Embru tätig. Auf Anregung Hassenpflugs entwickelte Embru um 1934 die ersten höhenverstellbaren Schultische und Schulstühle. Durch die Trennung von Stuhl und Tisch der damals üblichen, geschlossenen Schulbank waren erstmals arbeitsphysiologische Erkenntnisse umsetzbar. Den Kindern konnte so ein individuell anpassbarer Arbeitsplatz geboten werden.
Das Warensortiment der Embru unterliegt einem numerischen Ordnungssystem, das auf einem vierstelligen Zahlencode basiert. So erhält jedes Produkt bei der Aufnahme in das Lieferprogramm eine eigene Nummer, an der es zuverlässig zu identifizieren ist. Dieses System funktioniert sowohl in der elektronischen Datenverarbeitung als auch auf dem Papier einwandfrei. Es wurde 1934 vom Entwerfer Gustav Hassenpflug eingeführt und hat sich bis heute bewährt.

Kienzle Regal

Wilhelm Kienzle

1886–1958

Der Schweizer Designer Wilhelm Kienzle wurde in Basel geboren, wo er auch seine Ausbildungen zum Schreiner, Möbelzeichner und später Kunstschlosser absolvierte. Nach einigen Jahren in München und Berlin kam er 1916 wieder zurück in die Schweiz. Von 1918 an leitete er die Klasse für Innenausbau an der Zürcher Kunstgewerbeschule, bis er 1951 pensioniert wurde. Als Möbeldesigner war Kienzle äusserst vielfältig, er schuf für das tägliche Leben  Giesskannen, Werkzeugkisten, Wäschebehälter, Aschenbecher, Schirmständer, Kinderspielzeuge, Bilderrahmen, Heizstrahler und kirchliches Abendmahlgerät. Wahrscheinlich ist es seiner bescheidenen, eher problem- als innovations- oder marktorientierten Entwurfshaltung zu verdanken, dass sich seine Entwürfe nie dem Diktat einer Mode fügen mussten. Ihre Leichtigkeit und Eigenständigkeit verhalfen seinen Möbeln zu ihrer extrem langen Verwendungsdauer und liess sie bis heute aktuell bleiben. Das zerlegbare Büchergestell ist ein Musterbeispiel seines Erfindergeistes.

Christophe Marchand

Christophe Marchand

1965

Christophe Marchand, geboren 1965 in Fribourg, lernte Möbelschreiner und studierte an der Schule für Gestaltung in Zürich Industriedesign. Er unterrichtet seit 1990 an der Écal, École cantonale d’art de Lausanne. 1993 eröffnete er ein eigenes Studio, wo er Möbel und Produkte entwickelt für Firmen wie Intertime, Zanotta, Alias und Thonet. Für Embru ist er als Berater in verschiedenen Bereichen tätig. Er entwickelte unter anderem den Marchand Sessel, wie auch den e_Stuhl 2100, der als Schulstuhl konzipiert wurde, aber schon bald den Weg in Büros und Ateliers gefunden hat.

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Werner Max Moser

1896–1970

Werner Max Moser war ein Schweizer Architekt, er wurde in Karlsruhe geboren und studierte ab 1916 bei seinem Vater Karl Moser an der ETH Zürich Architektur. Nach beruflicher Tätigkeit in Stuttgart und bei Frank Lloyd Wright in den USA kehrte er 1926 wieder in die Schweiz zurück. 1931 gründete er gemeinsam mit Sigfried Giedion und Rudolf Graber die Wohnbedarf AG, 1937 war er Mitbegründer des Architekturbüros Haefeli Moser Steiger und ab 1958 lehrte er an der ETH Zürich. Moser zeichnete für Embru eine ganze Reihe von Möbeln und mehrere konnten durch ihre Beliebtheit bei den Kunden in Serie hergestellt werden. Die Entwürfe von Werner Max Moser zeichnen sich oft durch eine versteckte Raffinesse aus, wie die Verstellung beim Moser Sessel. Diese Besonderheiten ermöglichten einen Patentschutz des Möbelstückes.

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Alfred Roth

1903–1998

Alfred Roth war ein Schweizer Architekt, Designer und Hochschullehrer. Roth gilt als wichtiger Vertreter des Neuen Bauens und als engagierter Wortführer der Moderne. Er studierte in Zürich Architektur, bevor er 1927 für kurze Zeit im Pariser Büro Le Corbusiers und Pierre Jeannerets arbeitete. Nach weiteren Berufsjahren in Schweden, kehrte er 1930 nach Zürich zurück. Er baute mehrere Häuser und Siedlungen in Zürich unter anderem in Zusammenarbeit mit seinem Cousin Emil Roth und Marcel Breuer. 1956 wurde er als Professor an die ETH Zürich berufen. Nur selten gelingt es einem Gestalter, Möbel zu entwerfen, die in ihrer ästhetischen und funktionellen Qualität Jahrzehnte überdauern und auch nach über 80 Jahren noch ihre Käufer finden. Alfred Roth hat für Embru mehrere Möbel entworfen, das wohl erfolgreichste war das Roth Bett, das bis heute fast unverändert hergestellt wird.

Marcel Breuer

Marcel Breuer

1902–1981

Marcel Breuer war ein bedeutender Möbeldesigner und Architekt des 20. Jahrhunderts und wahrscheinlich der bekannteste Entwurfspartner der Embru. Am 22. Mai 1902 in Pécs, Ungarn, geboren, studierte er von 1920 bis 1924 am Weimarer Bauhaus und übernahm 1925 nach dem Umzug nach Dessau die Leitung der dortigen Möbelwerkstatt. Nach seiner Entwerfertätigkeit in Deutschland, der Schweiz und England emigrierte er 1937 in die USA, wo er an der Harvard University in Cambridge, Architektur lehrte. Zeitgleich führte er bis 1941 ein Architekturbüro mit Walter Gropius. 1946 zog er nach New York und gründete dort 1956 das Büro Marcel Breuer Associates Architects, das zahlreiche Grossprojekte in den USA und Europa realisierte. Den ersten Kontakt zu Embru hatte Marcel Breuer im Jahre 1931. Von damals stammen die ersten Zeichnungen von Breuer Typenschränken und Regalkonstruktionen, die ab 1932 produziert und vertrieben wurden. Es folgten diverse Möbelentwürfe, wie zum Beispiel eine Reihe von neuartigen Aluminiummöbeln, die er mit Embru entwickelte und mit denen er bedeutende Wettbewerbe gewann.

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